Festrede

Liebe Sportabzeichen-Freunde,
ich begrüße Euch zur Feierstunde für das 25-Jährige Jubiläum des Sportabzeichens im SC Auetal und freue mich, dass Ihr in dieser recht gemütlichen Runde erschienen seid.
Berichten möchte ich in der nächsten knappen Stunde von den vielen Erfolgen und einigen Ereignissen, die sich in den letzten 25 Jahren, aber gerade auch in den letzten 5 Jahren, die ich als Obmann für das Sportabzeichens tätig bin, ereignet haben.

25 Jahre Sportabzeichen,
bis 2008 im TuS Rehren A.O.,
nach der Fusion mit dem TSV Kathrinhagen ab 2009 im SC Auetal
25 Jahre Sportabzeichen,
das sind (jetzt kommt ein wenig Statistik):
über 700 Sportler und
gut 2.000 Sportabzeichen.

Das heißt, über 10.000 Übungen wurden abgenommen und das von 10 verschiedenen Prüfern, wobei die Hauptarbeit bei den langjährigtätigen Prüfern liegt, die ich hier nennen möchte:

• Elsbeth Grummich-Erdmann, Prüferin seit 1995
• Silke Watermann, Prüferin seit 1995
• Uschi Tolkmitt, Prüferin von 1996 bis 2011 (wegen Verlegung des Lebensmittelpunktes weg vom Auetal hin zur Bundeshauptstadt)
• Christine Dux, Prüferin seit 2004
• Und natürlich last-but-not-least mein Vorgänger und Mentor Gerd Krimpenfort, Obmann von 1990 bis 2008 und Prüfer seit 1988

Aber zurück zur geliebten Statistik:
Über 170 Familiensportabzeichen wurden errungen, dabei nicht selten mit 4 oder mehr Familienmitgliedern, z. B. durch Familie Wedemeier, Familie Erdmann, Familie Huy und Familie Dux.
Zusätzlich zur Größe der Familie kommen auch viele Wiederholungen und Jubiläen:
Familie Gellermann (5 Wiederholungen)
Familie Huy (8 Wiederholungen)
Familie Dux (13 Wiederholungen)
Familie Wedemeier (15 Wiederholungen)
Familie Erdmann (21 Wiederholungen)
Familie Padberg (25 Wiederholungen)
… und damit nicht genug, denn viele noch „junge“ Sportabzeichenfamilien stehen in den Startlöchern, z. B. Familie Schmidt und Ackmann (je 1 Wiederholung), Familie Sassenberg (3 Wiederholungen) und Familie Müller (4 Wiederholungen).
Das macht alleine im Jahr 2012 zehn aktive Sportabzeichenfamilien!
Soviel zu den Zahlen – doch was steckt dahinter?

Viel Zeit, viel ehrenamtliche Arbeit – aber vor allem jede Menge Spaß!
Einige meiner Highlights aus den vergangenen 5 Jahren möchte ich hier noch einmal in Erinnerung rufen und mit Euch teilen.
Die Reihenfolge ist teils chronologisch, aber gibt keinesfalls Ausdruck über die Wichtigkeit:

So wurde im März 2010 dem SC Auetal eine ganz besondere Ehre zuteil:
Der Kreissportbund Schaumburg vergab zum 100 000. Mal das Sportabzeichen und Jubilar wurde Jan Meyer aus unserem Verein. Jan legte 2009 als 17-jähriger das Sportabzeichen zum 10. Mal ab. Weil er zudem die Nummer 100 000 war, durfte er sich neben der Urkunde noch über einen großen Präsentkorb und einen „Tropicana“-Gutschein freuen. Ganz nebenbei war das für Jan auch das Jahr des Europäischen Sportabzeichens.
Was ist das Europäische Sportabzeichen?
Wer als Jugendlicher mit 17 Jahren das Sportabzeichen in Bronze, Silber oder Gold ablegt, wird zusätzlich mit dem Europäischen Sportabzeichen ausgezeichnet. Dies ist einmalig und nur in diesem Alter möglich. Neben dem Sportabzeichenorden erhält man ein rundes, blaues Abzeichen mit den Eurosternen. 40 dieser Abzeichen konnten an unsere Jugendlichen in den letzten 25 Jahren vergeben werden.

Ebenso erfreulich ist die positive Entwicklung unserer Prüferzahl:
Trotz des Ausscheidens von Uschi Tolkmitt 2011 konnte die Zahl der Prüfer gesteigert werden. Neben Dirk Meyer (seit 2010) ist seit 2012 Fatma Gellermann dabei. Beide haben den seit 2009 nötigen Prüferlehrgang erfolgreich absolviert. Wurde man früher quasi per Handauflegen zum Prüfer erhoben, so wird heute neben einem eintägigen Lehrgang eine kurze Prüfung von den zukünftigen Prüfern gefordert. Sinnvoll, denn während des Seminars lernt man sowohl theoretisch als auch praktisch die Abnahme der verschiedenen Disziplinen. Außerdem bekommt man viele Hinweise und Tipps zum Aufwärmen und zur Durchführung. Sollte Interesse bestehen, nehmen wir gerne Kontakt auf, sobald der nächste Lehrgangstermin bekannt wird.
Wir können jede weitere Hilfe gut gebrauchen.

Nächstes Highlight und jährlich die größte Veranstaltung für das Prüferteam:
Der Sportabzeichentag – mittlerweile eine Institution im Verein.
Seit Juni 2012 findet der Sportabzeichentag in Kathrinhagen statt (vorher Sportplatz an der Obersburg in Rehren) und eröffnet als fester Bestandteil die Sportwoche des SC Auetal. Das breite Spektrum der angebotenen Disziplinen wird gut angenommen und die ortskernnahe Veranstaltung zieht immer viele Besucher an.
Besonders erwähnenswert ist hierbei die Teilnahme von Rainer Richter im Jahr 2011:
Als 72-Jähriger machte er sein zweites Sportabzeichen, wobei eine Urkunde für das erste Erreichen des Sportabzeichens in Bronze aus dem Jahre 1967 vorgelegt wurde!
Er absolvierte am Tag des Sportabzeichens gleich drei Übungen (50-m-Lauf, 3.000-m-Lauf und Kugelstoßen).

Eine besondere Freude – Urkundenübergabe an unsere Jüngsten:
Vor 2013 gab es beim Sportabzeichen lediglich Übungen, die für Jugendliche ab 8 Jahren geeignet waren. Jüngere Teilnehmer mussten schon sehr gut in Form sein, um die Disziplinen auch schon mit 6 oder 7 Jahren zu erlangen (so z. B. Etienne Huy imJahr 2009 als 7-Jähriger). Aber auch schon viel früher wollten einige junge Sportler mitmachen. Vivien Seifert war 2011 gerade 3 Jahre, als sie zusammen mit ihrer älteren Schwester Thalia am Sportabzeichentag teilnahm. Und auch Leonie Partsch wollte 2012 als 6-Jährige mehr als ihren Bruder Jonas anfeuern. In beiden Fällen war uns das eine Ehrenurkunde wert, die im Rahmen unserer Feierstunde im Januar überreicht wurde.

Die nächste Kategorie lautet: Familiensportabzeichen der besonderen Art
Was ist das Familiensportabzeichen?
Das Familiensportabzeichen wird erlangt, wenn 3 oder mehr Familienmitglieder aus mindestens zwei Generationen innerhalb von einem Jahr die Übungen des Sportabzeichens ablegen. Früher galt noch die besondere Regel, dass mindestens ein Jugendlicher Teil der Absolventen sein musste – zum Glück für Familie Padberg wurde diese Regel exakt in dem Jahr aufgegeben, als mein Bruder und jüngster Geschwisterteil 18 Jahre alt wurde. Vielen Dank an den DOSB für diese Änderung! Zwei ganz besondere Abzeichen möchte ich hier kurz erwähnen:
Noch im Januar 2013 während der Urkundenübergabe machte ich die drei Geschwister Julia, Jan und Niklas Brecht darauf aufmerksam, dass ihnen zum Familiensportabzeichen lediglich ein (oder zwei) Elternteil(e) fehlten. Meine Worte müssen Früchte getragen haben, denn schon im Februar und März stand die gesamte Familie Brecht inklusive Mutter Cornelia und Vater Marcus in der Sporthalle und absolvierten die ersten Übungen. Cornelia ist bereits fertig und das Familiensportabzeichen somit gesichert.
Ein besonderes Kunststück schaffte die Familie Huy im Jahre 2009:
Ein Familiensportabzeichen über drei Generationen. Neben den Söhnen Etienne und Yannic-Luca und den Eltern Susanne und Tobias machte Großmutter Renate Kleinebokermann das Quintett komplett! Für mich eine besondere Leistung, aber ich arbeite dran – in 5 Jahren und gut 8 Monaten wird mein Sohn … 6 Jahre alt!

Letztes „Highlight“: Sportabzeichenreform 2013 – Die neuen Abnahmebedingungen
Lasst mich kurz etwas zu den neuen Abnahmebedingungen sagen für diejenigen, die sich bisher noch nicht damit konfrontiert sahen:

4 Disziplinen plus Schwimmfertigkeitsnachweis statt 5 Disziplinen
Vorteil: Schwimmübung lediglich alle 5 Jahre bei Erwachsenen, einmalig bei Jugendlichen, dadurch weniger Sportabzeichen komplett verloren durch fehlende Schwimmübung
neue Unterteilung in Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination
(alt: Schwimmen, Springen, Kurzstrecke, Werfen/Stoßen, Langstrecke)
neue Altersgruppen 6 bis 7 Jahre, 80 bis 84, 85 bis 89 und ab 90
18 bis 29 wird neu unterteilt in 18/19, 20 bis 24 und 25 bis 29
viele neue Turnübungen
(Evergreen: ab 70 Jahre auf den 1,25 m hohen Schwebebalken balancieren)
neue Disziplinen wie Medizinballwurf, Seilspringen, Zonenweitwurf, -weitsprung und Geländelauf
Insgesamt hat die Reform für uns bisher eine gute Entwicklung gezeigt. Die neue Abstufung in Bronze, Silber und Gold belohnt
mehr die Leistung als die Kontinuität. Wir konnten mehrmals beobachten, wie sich Bronze- oder Silber-Absolventen noch verbessern wollten oder verbessert haben im Laufe des ersten Halbjahres.
Dass nur noch alle paar Jahre bzw. einmalig für Jugendliche eine Schwimmübung absolviert werden muss, bringt Vorteile gerade bei der Abnahme des Sportabzeichens in den Jugendmannschaften. Es war immer schwer, eine komplette Mannschaft zu einem Schwimmtermin zu organisieren. Viele Sportabzeichen konnten nicht abgeschlossen werden, weil eben die jährliche Wiederholung der Schwimmübung fehlte.
Die meisten der neuen Übungen werden gut angenommen (Standweitsprung für alle Altersklassen, Medizinballwurf) wohingegen andere wegen des hohen Verletzungsrisikos gar nicht angeboten werden (Schwebebalken!).

Also wieso feiern wir 25 Jahre Sportabzeichen?
Warum ist das Sportabzeichen überhaupt so wichtig?

Der DOSB schreibt:
„Das Deutsche Sportabzeichen ist das erfolgreichste und einzige Auszeichnungssystem außerhalb des Wettkampfsports, das umfassend die persönliche Fitness überprüft.“

Für mich ist es die einzigartige Kombination aus qualifiziertem Leistungs-Check und dem Erleben von Sport in der Gemeinschaft.

Warum qualifizierter Leistungs-Check?
Die Übungen des Sportabzeichens gerade nach der Reform geben sehr gut Aufschluss darüber, wo meine körperlichen Stärken und Schwächen liegen. Das abschließende Erreichen des Sportabzeichens ist das eine. Die Bewertung meiner Leistung nach Bronze, Silber oder Gold allerdings gibt einem Aufschluss darüber, in welchen Bereichen ich mich für eine solide Gesamtkonstitution noch steigern könnte – quasi Kontrolle und Motivation in einem.
Und viele verlassen sich auf die Aussagekraft des erfolgreich abgeschlossenen Sportabzeichens:

– Viele Institutionen verlangen das Sportabzeichen als Einstellungsvoraussetzung
(so z. B. Polizei, Feuerwehr, Bundeswehr). Diese Einrichtungen verlassen sich auf die Bewertung der Sportlichkeit, die das Erreichen des Sportabzeichens voraussetzt, vielleicht gerade durch die Sportabzeichenreform von 2013 auch explizit das Sportabzeichen in Gold?

– Einige Arbeitgeber motivieren ihre Angestellten zum Ablegen des Sportabzeichens und „bedanken“ sich mit einem Extra-Urlaubstag oder einem Firmenfest (gefördert u. a. durch die Sparkasse Schaumburg, die regelmäßige Wettbewerbe veranstaltet). Die sportliche Aktivität fördert den Zusammenhalt in der „Mannschaft“ und erhält die Gesundheit. Ich glaube, so etwas nennt man eine Win-Win-Situation!

– Zu guter Letzt bieten nahezu alle Krankenkassen in ihren Bonusprogrammen Vergünstigungen für das Erreichen des Sportabzeichen in Form von Prämien, Gutscheinen oder Rabatten auf Zusatzleistungen.
Und die sportliche Gemeinschaft?

– Wir leben in einer bewegungsarmen Zeit, und es wird wohl eher schlimmer statt besser: Ganztagsschulen beschäftigen die Jugend bis weit in den Nachmittag hinein. Arbeitsplätze mit 40 Stunden (häufig mehr) meist stumpfer Büroarbeit machen den Sport als Ausgleich wichtiger denn je. Und nirgends macht Sport mehr Spaß als in der Gemeinschaft – gemeinsam mit der Familie, der Fußballmannschaft oder zusammen mit den Kollegen von der Arbeit.

Deshalb ist uns das Sportabzeichen so wichtig und wird für uns auch in den nächsten 25 Jahren eine große und hoffentlich weiter wachsende Bedeutung spielen.

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