1945 – Neubeginn

Der Krieg war vorbei, die Menschen atmeten auf und begannen, sich neu auf die Zukunft zu besinnen. Auch der sportliche Bereich fand langsam wieder Raum im Alltagsleben. Die wirtschaftlichen und politischen  Voraussetzungen zur Aufnahme von sportlichen Aktivitäten waren in keiner Weise gegeben, die Auswirkungen des Krieges waren überall zu spüren. Die britische Kontrollratsbehörde hatte die Auflösung aller Sportvereine verfügt und gestattete noch keine größeren Zusammenschlüsse.

In dieser Zeit setzten sich sportbegeisterte Männer, voller Energie und Initiative, zusammen, um in Rehren den TuS wieder ins Leben zu rufen. Sie waren zunächst auf sich allein gestellt, denn Dachorganisationen gab es damals in keinem Fachbereich. Zwar war der Kreissportbund Grafschaft Schaumburg bereits 1945 gegründet worden, der Sportausschuß Niedersachsen jedoch erst im Juli 1946, der Fußballverband Niedersachsen im August 1946 und der Sportbund Niedersachsen als Vorgänger des Landessportbundes im Jahr 1947.

Im Dezember 1945 lud der Bürgermeister der Gemeinde Rehren A/O , Wilhelm Westermann, durch öffentliche Bekanntmachung alle sportinteressierten Personen für den 10. Dezember in die Gaststätte August Müller ein, um den seit Jahren nicht mehr aktiven Verein wieder ins Leben zu rufen. Zur Versammlung erschienen 17 Personen und erklärten ihren Eintritt in den Verein.
Sie wählten einen Vorstand in der folgenden Zusammensetzung:

1. Vorsitzender Friedrich Bade, Nr. 42
2. Vorsitzender Friedrich Wenthe, Nr. 6
Kassierer Heinrich Bredemeier, Nr. 10
Schriftführer Friedrich Westermann, Nr. 40
1. Sportwart Wilhelm Zuttermeister, Nr.71
Gerätewart Wilhelm Struckmeier, Nr.60

 

 

Dem Verein gaben sie den Namen Turn- und Sportverein Rehren A/O aus dem Gründungsjahr von 1922. Ziel des Vereins sollte es sein, in den Sportarten Geräteturnen, Leichtathletik, Handball und Fußball Sport zu betreiben. Der Bürgermeister stellte in dieser Sitzung dem Verein das Gelände unterhalb der Obersburg, welches die Gemeinde vom Landwirt Heinrich Meier aus Rannenberg erworben hatte, für die sportliche Nutzung zur Verfügung. Ebenso kündigte er die Beschaffung von Fußballtoren an. Die Turnsparte konnte ihre sportliche Betätigung sofort aufnehmen, da die von der Militärregierung beschlagnahmten Geräte wieder zur Verfügung standen.

Die organisatorische Zusammenarbeit mit den Alliierten gestaltete sich in der Anfangsphase nicht einfach. So war es sehr schwierig, neue Jugendgruppen aufzustellen; sie bedurften der Genehmigung der alliierten Behörden. Spartenleiter mußten namentlich festgelegt und angegeben werden, bevor sie ihre Aufgaben wahrnehmen durften. Noch im Dezember meldete der Bürgermeister den Verein bei der deutschen Behörde, dem Landratsamt, sowie bei der „Sportzentrale“ in Stadthagen an. Eine Satzung wurde nicht erstellt, da man einheitliche Satzungen von der Sportzentrale erwartete. Die Versammlung legte den noch aus dem Jahr 1922 stammenden Sportgruß „Frisch Auf“ fest. Der bürokratische Anfang war getan, mit dem Sport durfte begonnen werden.

Der neue Vorstand des Jahres 1946 legte ein rasantes Arbeitstempo vor. Im Februar wurde die Gründung einer Turnsparte, in der Leichtathletik und Geräteturnen betrieben werden sollten, beschlossen. Frauen fanden, aus welchen Gründen auch immer, dazu noch keinen Zugang. Am 18. Mai wurde die Fußballsparte ins Leben gerufen. Sie etablierte sich mit zwei Herren- und einer Jugendmannschaft als stärkste Sparte. Noch im gleichen Monat wurde das Gelände a.d. Obersburg durch den Landrat und den Oberkreisdirektor begutachtet und für den Spielbetrieb als außerordentlich gut beurteilt. Mit dem Ausbau des Sportplatzes wurde noch im Mai begonnen. Mit Beginn der Herbstserie 1946/47 nahm der TuS mit seinen Mannschaften erstmalig an den
Punktspielen des Kreisfußballverbandes Rinteln teil.

Freizeitsport, dazu gehörte im wesentlichen das Wandern und der Erweb des Sportabzeichens, wurde im Verein schon im ersten Nachkriegsjahr gepflegt. Wanderungen am Himmelfahrtstag und im späten Herbst waren ständiger Bestandteil des Die erste Sportwoche datiert in das Jahr 1948. Neben dem Schauturnen fand ein Pokallturnier zwischen den Mannschaften der Vereine Schaumburg, Steinbergen und Engern statt. Die 1. Mannschaft führte ein Diplomspiel gegen den TuS Sülbeck durch.

Einschneidendes Ereignis war die Währungsreform im Jahr 1948. Heinrich Bredemeier sen., Vereinskassierer
dieser Zeit, wußte zu berichten, daß noch im Oktober sämtliche Außenstände eingesammelt wurden, um beim
Umtausch mit „vollen Händen“ dazustehen. Doch änderte diese pfiffige Maßnahme nichts an der Tatsache, daß der Verein im nächsten Jahr äußerst kritische Zeiten zu bewältigen hatte.

 

75j1mannschaft1947

1. Mannschaft in der Saison 1947/48

Betreuer Wilhelm Zuttermeister,Hans-Erich Held, Ulrich Grefe,Heinrich Bredemeier, Bruno Pätzel,Heinz Jeß, Konrad Watzke, Heinz Ogurrek, Fritz Dorn, Ernst Radtke, Werner Grefe, Jupp Koslowski

1949 etablierte sich eine selbständige Sparte, die Tischtennisabteilung. Sie hatte ein eigenes Budget. Die Mitglieder zahlten einen Beitrag von 20 Pfennig und mußten die Kosten für Schläger, Bälle, Netze und
Tischtennisplatten selber tragen. Die Sparte hatte unter Spartenleiter Saschke einige Jahre bestanden, über die
Auflösung ist in Protokollen nicht berichtet worden.

Die erste Sportwoche datiert in das Jahr 1948. Neben dem Schauturnen fand ein Pokallturnier zwischen den
Mannschaften der Vereine Schaumburg, Steinbergen und Engern statt. Die 1. Mannschaft führte ein Diplomspiel
gegen den TuS Sülbeck durch.

Die Vereinsstruktur änderte sich bis in die frühen 50er Jahre nur unwesentlich. Der Verein organisierte sich bei wechselnden Vorständen durch Mitglieder- und Jahreshauptversammlungen, die in aller Regel vier bis fünf Mal jährlich stattfanden. Der finanzielle Rahmen der Vereinskasse war knapp bemessen, betrug doch das monatliche Beitragsvolumen bei circa achtzig bis hundert Mitgliedern nicht mehr als fünfzig Mark. Aufgebessert wurde das Budget durch eine an den Vereinswirt August Müller vergebene Konzession für alkoholfreie Getränke auf dem Sportplatz.

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte sollte der Vereinsbeitrag erhöht werden. Es muß eine turbulente Diskussion gewesen sein, an jenem 14. April des Jahres 1949. Die beschlossene Erhöhung um 100% mochten die Mitglieder in der Folge nicht hinnehmen und bereits im Mai fanden sich wieder die alten Beitragssätze, Männer zahlten fünfzig Pfennig, Frauen 30 und Kinder einen Groschen. So war’s und so sollte es bleiben.
Daß sich in jenem Jahr der Vorstand um einen neuen Kassierer bemühen mußte, wird den Leser nicht wundern.

Mitglieder unseres Vereins übernahmen früh Verantwortung auf Kreisebene. Wilhelm Zuttermeister wurde im Jahr 1946 zum 2. Vorsitzenden im Kreissportbund Grafschaft Schaumburg und Beisitzer des Sportgerichts des Kreisfußballverbandes Rinteln gewählt. Im gleichen Zeitraum war er Oberturnwart im Turngau Schaumburg und 1951 Schatzmeister des Kreisfußballverbandes bis 1974.

Eine wesentliche Änderung im Vereinsleben ergab sich um die Jahreswende des Jahres 1950. Ein junger Mann, hochtalentierter Turner und Fußballer war aus Stendal nach Rehren gekommen. Er bemühte sich in hervorragender Weise um Rehrens Jugend. Am 10. Mai 1951 schrieb die SZ: „Vor einigen Monaten hat der Rehrener Sportverein wieder Turnriegen für Jungen und Mädchen eingerichtet. Etwa 50 Knaben und Mädel gehören jetzt dem Verein an. Unter der fachkundigen Leitung von Herbert Pleuhs wird fleißig geübt.“ Wenige Wochen später teilte die gleiche Zeitung in ihrer Ausgabe vom 17. Mai mit, „für die Frauen und schulentlassenen jungen Mädchen wird eine Frauenriege innerhalb des Turnvereins gegründet“.

Herbert Pleuhs hat bis weit in die fünfziger Jahre zum Wohle der Turnsparte gewirkt.

Die Nachkriegsjahre sind vorbei. Der Verein steht auf gesunden Füßen. Es wird in den Sparten Fußball und Turnen Sport betrieben. Der Freizeitsport mit der Wandergruppe, einer inoffiziellen Tischtennisabteilung und der Sportabzeichengruppe hatten ihren festen Platz im Vereinsleben.

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