Meister in der 1. Kreisklasse!

SC Auetal nach 23 Jahren wieder auf dem Gipfel

Große Freude an der Aue, denn der SC Auetal krönte am Sonntag seine prächtige Saison mit einem Titel. Das 7:2 gegen den TSV Ahnsen ließ die Aue-Kicker uneinholbar vorwärts eilen. Meister in der 1. Kreisklasse. Der Gipfel des Erfolgs! Zwar ist es nur die Spitze einer kleinen Bergkette, denn die Alpen und der Himalaya sind weit weg. Doch muss man auch erst mal ans nahe Ziel gelangen. Nicht wie ein großspuriger Bergsteiger schon nach der ersten Biegung abstürzen. Jetzt gibt es wieder einen Meistertitel an der Aue. Den letzten holte der Vorgängerverein TuS Rehren A/O. Vor 23 Jahren als Meister in der Kreisliga.

Ein kurzer Rückblick noch in jene Zeit. Der TuS Rehren marschierte damals ungeschlagen durch die Kreisliga. Packte den Aufstieg in einen Bereich namens „Bezirksklasse“. Wenn Sie sich an diese Liga noch erinnern, lieber Leser, dann zählen Sie schon zu den Alten. Falsch ausgedrückt, klingt zu brutal. Zählen Sie zu den „Lebensweisen“ und „Erfahrenen“. 2006 war Schluss mit der Bezirksklasse. Zwangsabstieg für viele! Die Hälfte aus der Liga musste runter. Zu den Leidtragenden, im soliden Mittelfeld platziert, gehörten neben Rehren auch der SV Obernkirchen und Union Stadthagen.

Zurück zur Gegenwart. Diese erlebt den SC Auetal in ungewohnter Umgebung. Zu Hause in der 1. Kreisklasse. Gestatten Sie kurz einen Schwenk in andere Lebenslagen. Kennen Sie folgenden Wortlaut? Hoffentlich nicht. „Ich will dich nie wiedersehen“, brüllt der genervte Chef dem unfähigen Mitarbeiter zu, nachdem er ihn hochkantig rausgeschmissen hat. Gleiches schreit der gehörnte Ehemann, der seine Frau mit einem Anderen im Bett erwischte. Und auch der Häftling murmelt diesen Satz, beim Blick auf den Gefängniswärter, wenn er gegen gesiebte Luft gegen Freiheit eintauscht. „Ich will euch nie wiedersehen“, ruft auch Björn Bödeker, seit sieben Jahren Staffelleiter für die 1. Kreisklasse in Schaumburg. Im Gegensatz zu allen Vorgenannten verfügt der Mann aus Niedernwöhren über einen entspannten Gesichtsausdruck. Wirkt überaus charmant und freundlich.

„Herzlichen Glückwunsch an Auetal“, sagte der Staffelleiter bei der Übergabe des Pokals an Kapitän Florian Meyer. „Ihr habt den Unfall vom letzten Jahr gleich wieder korrigiert. Mit 23 Siegen, zwei Unentschieden und einer Niederlage ist der SCA komplett durchmarschiert. Sicherlich gibt es keinen verdienteren Meister. Ich habe sie gerne in meiner Klasse gehabt. Aber ich wünsche dem SC Auetal und seinen Spielern, dass ich sie lange nicht mehr wiedersehe.“ Abschied in Freundschaft mit der Trophäe im Gepäck. So kann sich’s leben lassen!

„Zwei Spieltage vor Schluss Meister zu werden, das haben wir nicht unbedingt erwartet“, fasste Trainer Marco Gregor zusammen. „Bei dieser tollen Bilanz und auch dem Einzug ins Pokalfinale muss man vor der Mannschaft den Hut ziehen. Während der Saison wurde tolle Arbeit geleistet. Aber es gab auch Widerstände zu überwinden. Der kleine Kader und viele Verletzungen machten uns das Leben schwer.“ Gregor gibt sich bescheiden. „Wesentlichen Anteil haben auch Janni Franke als Co-Trainer und Carsten Hauser als Torwart-Trainer. Wir verfügen ja über drei hervorragende Torhüter. Auch Sylvan Wiechmann als Betreuer ist sehr wichtig. Das alles brauchst du um das Team herum. Dadurch kann ich mich auf meine Arbeit konzentrieren. Jeder macht seinen Job.“

Nun hätte ein Foto von Gregor und dem Mitarbeiterteam folgen müssen. Aber, o Schreck, bei aller Freude wurde es vergessen! Stellen Sie sich also vier Grinse-Menschen vor, die in die Kamera hineinlächeln und das Objektiv zum Platz bringen. Spontane Glückwünsche kamen von Mittelfeldregisseur Emre Tas, der nach einer Knieverletzung im Oktober die Karriere aufgeben musste, und von Yves Buddensiek. Der angehende Lokalpolitiker meinte: „Es ist nicht nur ein Erfolg für den SC Auetal – es ist ein Erfolg für unsere ganze Gemeinde. Dank euch heißt es nächste Saison wieder Kreisliga an der Obersburg!“

Natürlich hat der SC Auetal nicht überall nur Freunde. Hier und da ärgert sich so manche Fan-Seele, dass ihm der SCA mal irgendwann doch in die Suppe spuckte und ihm den Sieg und Freude wegnahm. „Jetzt jubeln sie anhand des Titels“, wird dann gelästert. „Aber betrachten wir es realistisch. Es sind doch Könige im Zwergenreich!“ Gewiss. Die Meisterschaft der 1. Kreisklasse bedeutet einen Titel in der 9. Liga. Da sind die Aue-Kicker bis zu Bayern München noch ein gutes Stück entfernt. Aber was soll’s?! Das Bier schmeckt bei der Meisterschaft genauso lecker als nach einem Champions-League-Gewinn. Erinnern wir uns an den großen Feldherrn Julius Cäsar. Der soll gesagt haben: „Lieber der Erste in der Provinz als der Zweite in Rom!“ Da mundet den Auetalern das Siegeswasser bei der Meisterschaft weit besser als anderswo der schale Schluck beim Zittern um den Klassenerhalt. Na dann, in alle Richtungen ein herzliches Prost!

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