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„Heidewitzka, die spielen aber einen flotten Ball“ PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Administrator   
Donnerstag, den 02. August 2012 um 15:06 Uhr

12BjgdBuLi1Wegen Christian Franz-Pohlmann hätte man das Telefon wohl nicht erfinden müssen: Seine Stimme trägt. Und so hallt sein Kommando über den gesamten Sportplatz an der Obersburg, wird am Hang gestoppt und zurückgeworfen: „OFFENSIVER, NINA.“ Und noch einmal: „OFFENSIVER.“ Und dann wendet sich der Trainer der U17 des FSV Gütersloh wieder an den Mann von der Presse und fragt mit leiser Stimme: „Was genau wollten Sie wissen?“
Franz-Pohlmann, jung, dynamisch, teamfähig und auch schon mal gut für einen Spruch wie „Wenn ihr heute gewinnt, gibt es 50 Liter Bier“, der dann zu 250 Euro Geldstrafe führt, weil man so die Männer, die er vor einem Jahr noch trainiert hat, nicht anpeitschen darf, Franz-Pohlmann also ist seit einem guten Jahr Trainer der Juniorinnen – und die sind im Gütersloher Raum das Maß der Dinge: 2011 westdeutscher Meister und Westfalenpokalsieger, nur eine Niederlage in der gesamte Saison, bei den deutschen Meisterschaften ohne Niederlage, aber knapp am Endspiel vorbei. Soll heißen: Hier spielen nur Profis. Und das ist schnell zu sehen: Schon 45 Minuten vor dem Spiel lässt er die Mädels sich warmlaufen und -spielen, Dieter Grupe findet als Vorsitzender des SC Auetal nur mühsam Worte: „Heidewitzka, die spielen ab einen flotten Ball.“ Dass hier die U17-Juniorinnen des VfL Wolfsburg und des FSV Gütersloh aufeinandertreffen, liegt auch an ihm: Er hat, um drei Ecken herum, den Platz vermittelt. Die komplette weitere Organisation übernahm dann Vereinsjugendleiterin Gaby Wedemeier, auch Trainerin der D-Juniorinnen des SC.
Gütersloh und Wolfsburg werden ab der nächsten Saison in der neu geschaffenen B-Juniorinnen-Bundesliga spielen, Franz-Pohlmann hat die Aufgabe, zu dieser Saison eine fast neue Mannschaft mit 18 Neuzugängen aufzubauen. Sein Kader beträgt insgesamt 25 Spielerinnen, drei Viertel, erklärt er, sind 97er Jahrgänge, also Jungjahrgang, hier spielen neun Nationalspielerinnen in verschiedenen Jahrgängen, trainiert wird fünf bis elf Mal die Woche, dem Fußball wird alles untergeordnet, „wir fischen die Mädels aus einem Umkreis von 200 Kilometern ab“, umreißt es Franz-Pohlmann mit einem Bild. Sein primäres Ziel: Die Mädels so auszubilden, dass sie im Damenfußball spielen können - sie werden Profis. Fünf Damenmannschaften gibt es bei FSV, „wir sind ein kleiner Verein“, sagt der Trainer. Man versuche, im Mädchenbereich so gut wie möglich auszubilden, damit der Verein davon profitiere.

12BjgdBuLi2Aber damit er nicht missverstanden wird, schiebt er einen Satz nach: „Der Erfolg wird nicht an den Plätzen in der Tabelle gemessen.“ Es ist das dritte Testspiel, zwei Wochen lang wurde die Ausdauer trainiert, jetzt kommt die Schnelligkeit, anschließend folgt das mannschaftstaktische Feintuning. Wer ermessen will, wie gearbeitet wird, kann sich beim Trainerteam überzeugen: Neben Franz-Pohlmann arbeiten noch Dirk Kosmella als Cotrainer, Alice Kunka als Koordinationstrainerin, Svenja Lehmann als Physiotherapeutin.
Natürlich ist das alles beim SC Auetal ein bis zwei Nummern kleiner, aber auch das kann man sich durchaus ansehen, wenn der weibliche Nachwuchs spielt: Taktisch gut aufgestellt, schnell auf den Positionen, und sehr, sehr diszipliniert. Zu sehen ist das in einem Vorspiel, in dem die Mädchen gegeneinander antreten, weil sich in der Ferienzeit auf die Schnelle kein Gegner mehr gefunden hat. Für die nächste Saison will der SC Auetal eine D- und B-Jugendmannschaft melden, beide werden in der Kreisliga antreten, bei den Frauen spielt ab nächster Saison eine Siebener-Mannschaft im Raum Hannover mit, für ein großes Team, also einer Mannschaft mit elf Spielerinnen, reicht es noch nicht. „Das ist kein Selbstläufer“, sagt die Kathrinhägerin Gaby Wedemeier, „man muss immer suchen, immer wieder die Leute ansprechen“. Und natürlich muss man idealerweise Spielerinnen finden, die den Fußball als Hobby Nummer eins im Leben ansehen, und die Eltern müssen, gerade bei den Mädchen, auch dahinterstehen, erklärt sie. Gesucht werden auch noch spielwillige Frauen ab 16 Jahren aufwärts, sagt Gaby Wedemeier. „Und wir freuen uns beim SC über jedes interessierte Mädchen ab etwa sechs Jahren. Noch in den Sommerferien beginnt das Training der D-Juniorinnen für die nächste Saison. Anfragen und Infos zum Training für Mädchen und Frauen gibt es auf der Internetseite: www.SC-Auetal.de.“
12BjgdBuLi3Zurück auf den Sportplatz, dort schraubt Trainer Franz-Pohlmann seine Stimme wieder auf Zimmerlautstärke zurück, das Spiel ist abgepfiffen, die Gütersloher haben locker und hoch mit 5:0 gewonnen.
Es gibt noch eine Verlängerung: Torwandschießen. Je eine Gütersloher und eine Wolfsburger Spielerin treten gegen den Auetaler B-Juniorinnentrainer und zukünftigen Frauentrainer Thomas Böttcher an, der im Vorfeld zweimal getroffen hatte. Er wiederholt das Kunststück, seine beiden Gegnerinnen treffen nicht einmal.
Beim Speedkick siegte bei den bis Achtjährigen Louisa Sahlfeld mit beachtlichen 42 Stundenkilometern. Als Preis gibt es einen Gutschein für vier Freikarten zum Besuch des Rasti-Landes. Bei den neun bis zwölfjährigen siegt Pia Litschel mit 56 km/h, bei den ab 13-jährigen und Erwachsenen Tobias Wedemeier mit 72 km/h. Die jeweils vier Erstplatzierten erhalten Kleinpreise und jeweils eine Freikarte für das Schwimmbad Rolfshagen, die die Gemeinde spendiert.
Christian Franz-Pohlmann, der Trainer mit der tragenden Stimme, hat übrigens am Torwandschießen nicht teilgenommen. Wahrscheinlich hätte er auch gar nicht geschossen, sondern den Ball angebölkt: „GEH DA REIN.“
Und die Kugel wäre losgerollt.
Quelle: Schaumburger Zeitung

 

 

Zuletzt aktualisiert am Donnerstag, den 02. August 2012 um 15:14 Uhr